Die Fingerhut - Stempel (Teil 4)

Fingerhut-Stempel-Besonderheiten

Jeder Sammler wird bestätigen, dass es oft die Besonderheiten sind, die eine Sammlung interessant gestalten und dadurch aufwerten. Bei den Fingerhut-Stempeln kann dies zum Beispiel die Seltenheit oder auch eine nicht häufige farbige Variante eines Stempels sein.
Andere Besonderheiten können sich aus der speziell in der Strubel- und Sitzenden Helvetia-Zeit häufigen Doppelentwertung von Marken mit verschiedenen Stempeln ergeben.
In den meisten Fällen handelt sich dabei um die Kombination eines Rund- und eines Stabstempels.
Bei den Fingerhut-Stempeln sind die folgenden Stempelkombinationen besonders zahlreich:

FH TÄGERWEILEN + EMMISHOFEN (Gr.30) in schwarz + blau;

FH SCHÖFTLAND + STAFFELBACH (Gr.40);

FH WILDEGG + HOLDERBANK (Gr.40) in schwarz + rot;

FH BÜRGLEN + NEUKIRCH a/TH (Gr.39)

Auch die FH LANDQUART, KREUZLINGEN, LENZBURG, MELLINGEN + WEINFELDEN werden oft kombiniert mit Stabstempeln der Gr. 30, 39 + 40.

 

Sehr viel seltener sind Kombinationen von Fingerhut-Stempeln mit Rauten, PD-, PPFranco- oder Charge-Stempeln.

Wie selten solche Belege offenbar sind, verrät mir ein Blick in meine Kartei. Dort sind für die Kombination FH-O + Raute auf Strubel in der Gr. 104 I 8 Belege, in der Gr. 104 II 3 und in der Gr. 104 III I Beleg registriert.

  • Für die Kombination FH-O + PD sind es auf Strubel 7, auf Sitzende Helvetia 5 Belege.
  • Die Kombination FH-O + PP liegt je einmal in der Gr. 104 II und in der Gr. 104 III vor.
  • FH-O + Franco/Franko finden sich 2x auf Strubel und Ix aufsitzende Helvetia.

Auch wenn sicherlich noch weitere Belege mit diesen Kombinationen existieren, die meiner Registrierung bisher entgangen sind, kann man dennoch vermuten, dass ihre Zahl nicht sehr hoch sein dürfte.

In meiner Kartei bisher einmalig und damit eine große Seltenheit stellt die Dreifachentwertung einer Nr. 24 A mit FH LAWIN, Stabstempel FETTAN in graublau (Gr.30/F 14) und eidgenössischer Raute dar.

Eine weitere reichhaltige Quelle von Stempelbesonderheiten findet sich vor allem im Datumsblock der Fingerhut-Stempel. Da das Datum zwangsläufig regelmäßig geändert werden musste, konnte den Postbeamten eine ganze Reihe von verschiedenen Versehen unterlaufen.

Der ganze Datumsblock wurde manchmal verdreht oder auch kopfstehend eingesetzt.

In VILLMERGEN scheint das letztere über die Jahre öfters passiert sein (hier in 1858 + 1862)

Neben dem sehr häufigen Fall, wo im Stempel die Jahresangabe fehlt, gibt es auch sehr viel seltenere Beispiele,

Sehr interessant und besonders, weil sehr selten, sind die Fälle, wo statt der Jahresangabe versehentlich eine zweite, umgedrehte Tagesangabe eingesetzt wurde.

Um eine ganz andere Art der Stempelbesonderheit handelt es sich in den folgenden Fällen. In den Fingerhutstempeln von 3 Orten findet sich statt einer Jahresangabe nur die Ziffer 6 und zwar

In BADEN findet sich diese Besonderheit nur im Monat Juni, was vielleicht darauf hinweist, dass die 6 den 6. Monat angeben soll, zumal auch einige Belege mit der Ziffer 5 aus dem Monat Mai vorliegen, wobei die 5 seltsamerweise umgedreht ist.

Bei dem Stempel REKINGEN, der mir bisher nur zweimal, einmal in schwarz und einmal in blau bekannt ist, zeigt sich das gleiche Phänomen. Diesmal findet sich statt einer Jahreszahl nur die Ziffer 9.

Da in all diesen Fällen die einzelne Ziffer mittig positioniert ist, kann es sich eigentlich nicht um einen Fehler beim Einsetzen der Jahresangabe handeln.
Eine wirklich schlüssige Erklärung für diese Stempelbesonderheit kann ich leider nicht anbieten.
Es wäre schön, wenn mir der eine oder andere Sammler dabei weiterhelfen könnte.

Bei der großen Anzahl der Fingerhutstempel kann es nicht verwundern, dass es auch einige Stempel gibt, die nach ihrer Form nicht genau den von mir definierten 11 Stempeltypen entsprechen. Was überrascht ist eher, dass es so wenige sind. Streng genommen handelt es sich bei diesen Fällen auch um Stempelbesonderheiten, die ich jedoch, weil sich die Abweichung von der Norm nicht nur auf wenige Belege beschränkt, sondern für diese Orte allgemein gilt, unter der Rubrik SoFo (= Sonderform) registriert habe.

Im Fall von ENTLEBUCH besteht die Besonderheit in der Schreibweise des Monats, der immer in Elzevir und zwar schräg gestellt vorliegt. Normalerweise kommt die Monatsangabe in Elzevir nur in aufrechter Form vor (vgl. meine Typen l - 5).

Auch bei ETTISWYL gibt es die schräg gestellte Monatsangabe in Elzevir, allerdings interessanterweise nur von Januar bis März 1869.

Bei EBNAT entspricht die Jahreszahl 58 nicht der Form von Typ 6 (AW Typ 1), da aufrecht und nicht schräg gestellt und zu klein für Typ 8 (AW Typ 4).

Bei KRIEGSTETTEN ist die Jahreszahl schmaler als Typ 7 (AW Typ 2) und größer als Typ 8.

Auch den Stempel ROLLE, im AW unter Gr. 106 gelistet, habe ich wegen seiner Fingerhut-Größe als Sonderform registriert. Er liegt in 2 Typen in Elzevir vor. Bei Typ l ist die Jahreszahl neben der Monatsangabe positioniert. In der 3. Zeile wird zusätzlich die Tageszeit angegeben.

Bei Typ 2 wird auf die Angabe der Tageszeit verzichtet und die Jahresangabe rutscht in die 3. Zeile. Die Monatsangabe ist jedoch nicht mittig gestellt, so dass sie unsymmetrisch erscheint .


Typ l war von 1860 bis 1862 im Einsatz, Typ 2 ab 1863

Vermutlich gibt es noch viele andere Stempelbesonderheiten, die in ihrer Form den beschriebenen mehr oder weniger ähneln oder vielleicht auch welche ganz anderer Art. In jedem Fall freue ich mich immer, wenn ich auf etwas Neues stoße, auch wenn ich die entsprechenden Belege nicht selbst erwerben kann. Es ist einfach die Freude am Entdecken. Deshalb bin ich auch für jeden Hinweis dankbar, der meine Kenntnisse zum Thema FINGERHUT-STEMPEL-BESONDERHEITEN vertiefen könnte.

(Fortsetzung folgt)